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Headline Kölner Stadtanzeiger

Dieser Westfale ist der Hammer


28.05.2010 23:53 Veröffentlicht von

Quelle: KÖLNER STADTANZEIGER, 28.05.2010

SOLO-KABARETT    Am Ende des Abends haben die Zuschauer im „Senftöpfchen“ Hamm vor den Augen. Wohlgemerkt: Hamm, keine Hämchen, die man einem Kölner ja nicht erst schmackhaft machen muss. Anders die kreisfreie Stadt am Ostrand des Ruhrgebiets, zu der der Kölner an sich kaum Verbindung haben dürfte; es sei denn, er hat auf der Bühne einen gewissen Obel erlebt, von dem vermutlich nur die Eltern (und er selber) wissen dürften, dass er ursprünglich als Andreas Obering ins Familienstammbuch eingetragen wurde. Wie dem auch sei: Besagter Obel ist Hammer – oder besser gesagt: der Hammer. Den einzigen Vorwurf, den man dem Westfalen nach seinem bejubelten Soloauftritt machen könnte, wäre der, dass er entgegen seiner launigen Ankündigung doch nicht bis zum Morgengrauen auf der Bühne geblieben ist.
„Alles rund“ heißt das aktuelle Programm des Mannes, der Mitte der Achtziger als duales System in Verbindung mit Till in Erscheinung trat (als „Till & Obel“) und heute – nach mehr als 100 Fehrnsehauftritten und über 2000 Bühnenshows – trotz seiner unbestreitbaren Professionalität noch immer so herrlich uneingefahren daherkommt. „Alles rund“ klingt schwer nach der wichtigsten Nebensache der Welt, die der Künstler auch beileibe nicht ins Abseits stellt. Aber neben seinen Verwandlungen auf dem Feld der Fußballs – etwa in die Rolle des legendären Radioreporters Herbert Zimmermann, in Ex-Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni oder in den kölschen Messias Lukas Podolski – streift Obel auch unsportliche Themen: das Keksverbot für Krümelmonster, ein schwedisches Möbelhaus und die offenbar rein weibliche Manie, Teelichte zu horten, Gerhard Schröders Agenda 2010 und der Sparkurs der Krankenkassen („Dass es tiefe Einschnitte geben würde, war mir klar, aber doch nicht ins Zahnfleisch“).

Obel nimmt sich und andere aufs Korn, parodiert und imitiert so gekonnt, dass man mitunter ähnlich dem rotblonden Geschöpf auf der Leinwand die Augen zukneift und rätselt: ist es vielleicht doch der echte Boris Becker, der da im lustigen Quiz antritt? Obel plaudert und spielt mit seinem Publikum, tanzt, singt, brüllt, swingt, und wenn er am Ende seiner Show in eine Jeansjacke schlüpft, zur Gitarre mit dem Fuchsschwanz greift und zu reden beginnt, dann dürfte keiner im Zuschauerraum den leibhaftigen Peter Maffay herbeisehnen. Am 9. Juli, einem spielfreien WM-Abend, gastiert der Hammer noch einmal im Senftöpfchen. (she)