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So lacht das Revier – Dieser Obel ist ein echter Hammer


31.07.2015 20:16 Veröffentlicht von

Quelle: WAZ • 31.07.2015 | 16:30 Uhr

Hamm.   „Der Obel“ gab einst im „Wunder von Bern“ den Herbert Zimmermann, heute liefert er eine glatte „Obelpackung“ und beweist, dass er ein Teamplayer ist.

Dieser Mann, das kann man ohne Übertreibung sagen, ist ein echter Hammer. Man könnte sogar so weit gehen wie er selbst: „Ich bin ja auch in Hamm geboren, also Hammenser.“ Und ehe jetzt die ersten enttäuscht ins Leere blicken, sollten wir uns mal kurz orientieren. „Also Hamm ist östlich des Ruhrgebiets. . . also südlich von Münst. . . also nördlich vom Sauerl. . . also westlich des Ost. . . also östliches Ruhrgebiet. . .“

Man kann behaupten, was man will, aber er weiß genau, wo er steht, dieser Obel. Obwohl einem angesichts der traumhaften Landhaus-Idylle, vor der wir uns treffen, an dieser Ruhrgebietsthese schon schwache Zweifel kommen können. Denn wir sind auf Gut Kump. Das liegt im Stadtteil Rhynern, als dessen größte Berühmtheit dem Durchrasenden auf der A2 die damalige Raststätte und heutige Autobahnkapelle im Gedächtnis haften dürfte. Doch hier in Rhynern selbst?

Weite Wiesen, schier endlose Weizenfelder, drei Windräder, die heute mal Pause machen und ein ländliches Gutshaus, das auch Hotel und Restaurant ist. Und ach, dort hinten am Horizont erspäht man zwei einsame, kleine Schlote, die aber aussehen, als hätten sie schon länger nicht mehr gequalmt.

Nein, nach einem Musterbeispiel fürs Ruhrgebiet sieht dieses Idyll hier nun wirklich nicht aus, aber natürlich zählt Hamm (Westfalen) offiziell doch dazu.

„Menschen aus Oberhausen würden jetzt vielleicht sagen: Das ist kein Ruhrgebiet. Aber der Hammer würde sagen: Äh, doch. Und ich persönlich fühle mich dem Ruhrgebiet sehr verbunden, weil ich Oppa, Onkel und Brüder alle auf Zeche hatte. . .“

Selbst ist der Obel aber dann lieber Humorarbeiter geworden – und zwar schon ziemlich früh, 1985/86, als die hintere Hälfte des Duos „Till & Obel“, also als die namentlich hintere Hälfte. Nach ein paar Jahren wurden die beiden mit ihren Musik- und sonstigen Parodien bundesweit ziemlich berühmt, irgendwann kam der Till jedoch abhanden. Und aus „& Obel“ wurde schnörkellos „Der Obel“.
Die Lust zu parodieren ist dem Obel allerdings bis heute nicht vergangen. Was ihm schon Ruhm, Ehre und eine Traumrolle in einem sehr erfolgreichen deutschen Film eingebracht hat, denn in Sönke Wortmanns „Das Wunder von Bern“ spielte er Herbert „Tor, Tor, Tor!“ Zimmermann. „Als ganz kleines Licht im Fußball durfte ich die wichtigste Radioreportage bringen, die es jemals im deutschen Rundfunk gegeben haben wird – und ich durfte diesen Menschen, der sie gesprochen hat, nachzeichnen, das ist der Wahnsinn. Was ich dadurch auch erlebt habe . . . Bei der WM in Südafrika bin ich gewesen. Sieben Tage später auf einem Fußballschiff vor Island. Ich hab alles gehabt. . .“, sagt er im Brustton der Überzeugung. Auch echte Fußball-Moderationen übernimmt er dank der Bern-Rolle heute. „Ich bin jetzt mit Ingo Anderbrügge an einem Projekt, das heißt: ,Die Ruhrpott-Helden’. Ich darf den Live-Fußballkommentator geben, denn ich bin eher deskriptiver Spieler, das heißt: Ich bin nicht so gut am Ball. Es ist lustig, aber mit Respekt. Ich hätte mir früher nie erträumt, dass ich das kann.“

Dabei zieht sich der Fußball wie ein roter Faden auch durch die Programme des Obel, er wechselt fließend von Herbert Zimmermann zu Jogi Löw, hätte aber auch jederzeit einen Trapattoni oder Beckenbauer im Repertoire. Was nun nicht heißen soll, dass Andreas „Obel“ Obering (51) Fußball-Comedy macht. Das tut er zwar auch, aber eben nicht nur. „Mein aktuelles Programm heißt ,Obelpackung’, weil ich auch ein bisschen rumobele, also Dinge verändere, die man vielleicht zunächst mal anders anschaut. Und ich werde sie dann in 90 Minuten auf musikparodistische Art aber auch auf wortparodistisch-kabarettistische Weise verobeln.“ Klingt tatsächlich wie eine Obelpackung, das muss der Künstler wohl noch mal kurz erläutern.

„Es ist ein Konglomerat von all den Themen, die einen beschäftigen, wenn man so Ende. . . also Anfang. . . Also. . . in der Hochblüte des Lebens ist. Man ist nicht mehr so doof wie früher und noch nicht so krank wie später. Da machst du natürlich auch Männer-Frauen-Geschichten, auch weil ich streng heterosexuell bin. Und weil die Frucht unserer Beziehung längst rumläuft, geht es auch um Kinder. Daher singe ich auch von den Toten Hosen einen Song wie ,Mit Blagen wie diesen’.“

Mix-Show mit Guildo Horn

Nun könnte man meinen, der Obel mache seine Punkte als komödiantischer Libero gern allein. Aber wie im Fußball macht ein Spiel ohne Mitspieler gleich ein bisschen weniger Spaß. Folglich betreibt er auch noch eine Mix-Show unter dem Titel „SchönAbendzusamm!“, bei der Komiker-Kollegen wie Christian Hirdes, Kai-Magnus Sting und Markus Krebs, aber auch Musiker wie Julia Neigel oder Purple Schulz zu Gast waren. „Diese Show exportiere ich jetzt von Hamm nach Dortmund, in den Goldsaal der Westfalenhalle. Was eine Riesenaufgabe, aber gleichzeitig auch eine Hammer-Chance für mich ist. Bei der Premiere dort am 11. Oktober wird Guildo Horn an meiner Seite stehen.“ Und der schuldet seinem Kollegen ohnehin eine kleine Gefälligkeit. Denn: „Ich habe mit Guildo mal Theater gespielt, ,Shakespeares sämtliche Werke leicht gekürzt’. Guildo war derjenige, der alle Frauenrollen übernommen hat. Ich war demzufolge ein Mann, keine Frau. Und er durfte mich küssen. Na, es war jedenfalls das letzte Mal, dass Guildo Horn mit mir Körperflüssigkeiten ausgetauscht hat. Deshalb habe ich noch einen gut bei ihm. Ich bin ziemlich gespannt, wie wir das machen werden. Aber ich werde mich nicht noch mal von ihm küssen lassen.“

Bei dieser Form von Show geht es übrigens nicht zwangsläufig nur ums Lachen. „Da habe ich einen anderen Anspruch. Als ich Purple Schulz da hatte, hat er auch ernsthafte Songs über Demenz gespielt und über den Tod, ganz berührend. Und fünf Minuten später konnten die Leute trotzdem wieder Tränen lachen.“

Denn eines weiß der Andreas Obering: Dass die großen Emotionen oft ganz nahe beieinanderliegen können. „Bei Comedy, was ja auch mit meiner Rolle gleichgesetzt wird, wird oft gesagt: Das ist alles nur Faxenmachen, du hast einsdreißig, um vier Pointen zu bringen. Aber da stehe ich nicht drauf! Das ist niemals meins gewesen. Ich versuche, die Leute abzuholen.“ Und das gelingt ihm seit nunmehr. . . Nein, wir sagen jetzt nicht, seit wie vielen Jahren. Finden Sie’s selbst raus. Denn mit dem Obel können Sie immer rechnen.